Deutsche Schulen lüften zu wenig
Donnerstag, den 19. Februar 2009In deutschen Klassenzimmern herrschen Zustände, wie sie auf deutschen Straßen verboten wären. Bis zu 100 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wurden bei einer Langzeitstudie in Schulräumen gemessen, berichtet der Experte des Stuttgarter Landesgesundheitsamtes, Thomas Gabrio. Schlechte Luft entstehe hauptsächlich dadurch, dass nicht richtig gelüftet werde und sich auf diese Weise Haut- und Haarschuppen ansammelten. “Sie kriegen kaum eine Schule und einen Lehrer davon überzeugt, dass er regelmäßig lüften soll”, so Gabrio.
In einer Studie des Instituts für interdisziplinäre Schulforschung der Universität Bremen wurde nachgewiesen, dass in 83 Prozent der Unterrichtszeit optimale Leistungen von Schülern und Lehrern verhindert werden, und zwar durch stickige Luft im Klassenzimmer. Wegen mangelnder Frischluft steige der Kohlendioxidgehalt weit über die empfohlenen Werte. Leicht beeinträchtigt seien die Schüler dadurch zu 61 Prozent der Zeit, in 22 Prozent sei bereits mit Störungen in der Wahrnehmung zu rechnen, so die Forscher.
Mit nur fünf Minuten Stoßlüften könne man die Feinstaubkonzentration auf bis zu 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft reduzieren, erklärt Thomas Gabrio. Zudem senke das Lüften auch den zu hohen Kohlenstoffdioxid-Anteil in der Luft. Ein Grenzwert für Feinstaub in Schulen existiere bislang nicht. Die Bremer Wissenschaftler empfehlen, insbesondere zwischen Doppelstunden sowie mehrstündigen Prüfungen Lüftungspausen einzulegen. Angekippte Fenster lehnen sie dagegen ab: Dies sei ohne Wirkung und führe außerdem dazu, dass Lärm von außen hereinkomme.
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