Mit einer omnipräsenten Werbekampagne ist Scoyo momentan auf allen Kanälen in den Werbepausen zu sehen. Das Lernportal suggeriert in seinem Werbespot, dass mit seinen Lernspielen jeder sozusagen spielend seine Noten verbessern kann. Und das Angebot erscheint verlockend: Für nicht einmal zehn Euro im Monat nebenbei die schulischen Leistungen optimieren und das auch noch mit Dingen die Spaß machen. Ganz abwegig ist die Idee von Scoyo nicht, nutzen doch nach einer Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest 70 Prozent aller Sechs- bis Dreizehnjährigen zumindest gelegentlich Computerspiele, 43 Prozent von ihnen mindestens einmal wöchentlich.
Das Lernspiel für den heimischen PC ist nicht neu, es existiert schon seit Jahren. Trotzdem ist die digitale Bildungsrevolution bisher ausgeblieben. Von Schulen werden Lernspiele so gut wie überhaupt nicht genutzt und auf den Fachmessen der Branche wie der Leipziger Games Convention werden sie abgetrennt in einer separaten Halle von nur wenigen Zielgruppenangehörigen wahrgenommen. Oft genug landen sie schlussendlich auf den Wühltischen der Discounter zu Billigpreisen.
Scoyo rückt nun das Lernspiel in den Fokus der Öffentlichkeit. Betreiber des Portals ist der Bertelsmann-Konzern. Dieser sieht hier Potenzial, schließlich gibt es unbestritten immer mehr Schüler mit Schulproblemen und Nachhilfebedarf. Doch Scoyo will anders als herkömmliche Lernspiele an die Sache herangehen. Statt nur ein Fach zu behandeln, bietet das Portal ein Komplettpaket. Der User bucht nicht nur ein Fach, sondern kann mit seinem Abo alles Spiele nutzen. Einziger Pferdefuß: Scoyo richtet sich nur an Schüler der Klassenstufen eins bis sieben.
In interaktiven Lerngeschichten wird der Stoff präsentiert und soll so eine Verbesserung herbeiführen. Kleine Trickfilme vermitteln dabei zunächst den Stoff um anschließend auf ein Minispiel hinzuleiten, das den Schüler zum Einsatz des erworbenen Wissens animieren soll. Die Themen der Spiele sind an die Lehrpläne der Bundesländer angelehnt und bei Abweichungen für das spezielle Bundesland aufbereitet. Ein Vorteil des Systemes ist, dass die Spiele mit dem Zugang überall gespielt werden können und nicht örtlich auf den eigenen PC begrenzt sind. Ein Nachteil des Systemes ist, dass bestimmte technische Voraussetzungen vom Computer erfüllt werden müssen, damit das Programm ohne grafische Probleme läuft.
Scoyo wirbt für sein System mit einer Studie der Universität Duisburg-Essen, welche belegen soll, dass die Schulleistungen von Scoyo-Nutzern sich verbessert haben. Laut der Studie soll die Lernleistung um bis zu 120 Prozent, der Lernzuwachs durchschnittlich 64 Prozent betragen. Kritiker wie René Scheppler, Autor beim Projektblog Initiative D21, bemängeln, dass auch Scoyo wie viele andere Lernspiele zu wenig Interaktivität biete und die Schüler nur vorgegebene Wege gehen könnten. Scheppler bezweifelt auch, ob Schüler so die Methodik lernen können, das gelernte Wissen auch offline anzuwenden. Scoyo ist seiner Meinung nach weniger eine Lern- als eine Übungsplattform. Hier könne zwar Wissen gefestigt werden, doch die Sozialkompetenz bleibe auf der Strecke. Laut Scheppler liegt die Zukunft des Lernens eher in der Vernetzung von Schülern untereinander und mit Lehrern.
In Anbetracht der Tatsache, dass Scoyo nur bis zur Klasse sieben genutzt werden kann und der Lerneffekt eher zweifelhaft erscheint, ist bei Hilfsbedarf in der Schule immer ein professionelles Nachhilfeangebot zu bevorzugen. Der beste Weg zur Verbesserung schulischer Leistungen und zu konstanten Erfolgen ist noch immer der individuelle Einzelunterricht.